... salut de nouveau

Wieder auf Reisen.
Du fragst oft nach mir.
Ich telephonier
noch vorm Zubettgehen mit dir.


Freu mich auf den Moment,
wenn ich steh in der Tür,

und du läufst mir jauchzend entgegen.

...

Und dann öffne ich meine Arme für dich.
Ja, dann öffne ich meine Arme für dich!


Dann öffne ich meine Arme, Gerhard Schöne (1992)


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Dienstag, 18. Juli 2017

Blinde-Kuh-Flashmob

Jetzt
schließen wir die Augen,
wir alle.
Dann greift jeder
nach seinem toten Winkel
und legt ihn zu den anderen,
auf den vorherbestimmten 
Platz.

Orsolya Kalász
aus: Orsolya Kalász, Das Eine, Brüterich Press, 2016, Berlin




Sonntag, 16. Juli 2017

Nur eine

"Traurig" - ist nur eine
von vielen Folgen der Deutung.
Was wir heute verkörpern,
könnte morgen schon
die Straßenseite wechseln, 
sobald es uns kommen sieht.

Orsolya Kalász
aus: Orsolya Kalász, Das Eine, Brüterich Press, 2016, Berlin



Dienstag, 11. Juli 2017

Die große Kunst der Deutlichkeit

Zusammen halten, verdichten, Zeichen deuten,
üben, wie man beschützt, was man liebt,
vor falscher Nähe, vor ihrer Rauheit und Schärfe,
aber auch nicht vor der entmutigenden Tristesse der echten.
Es bedarf nicht viel, die alte Heroldsregel
der 200 Schritte anzuwenden: 
Hängen Sie Ihren Entwurf
des Wappens der Liebe
draußen an einen Baum,
gehen Sie exakt so viele Schritte zurück, 
als nötig sind, um Sehnsucht zu spüren,
und mit weit aufgerissenen Augen
wenden Sie sich dort um.

Orsolya Kalász
aus: Orsolya Kalász, Das Eine, Brüterich Press, 2016, Berlin


Freitag, 7. Juli 2017

Immerhin

Was wir für fühlende Herzen empfinden,
macht uns bitter nötig für fühlende Herzen.
Immerhin sind wir es,
die wachsen, über uns hinaus,
schnell und ohne Bedauern
wie wilde Tiere ... und die Nacht.
Immerhin glauben wir,
dass Sterne uns bestaunen,
weil wir glauben, dass Schmerzen einer Logik folgen, 
an Gedanken, die immer weiter kreisen,
dem Herzen Arme immer höher wachsen,
bitte und im Nichts den nächsten Ast ergreifen.

Orsolya Kalász
aus: Orsolya Kalász, Das Eine, Brüterich Press, 2016, Berlin


Donnerstag, 6. Juli 2017

Verstehen heißt antworten

Fragen sollen es sein,
gebannt soll jede Gefahr sein
in ihrer Obhut, in ihrer Fürsorge?

Der das glaubt, den wollte ich. 

Wäre da nicht die Behauptung, 
Tage wie diese, voller Begehren,
voller Widerstände, wollen keine Fragen,
wollen Antworten.
Fragen haben uns alles voraus,
haben so viele Antworten abgeschüttelt
um bei sich zu bleiben, nicht bei uns,
die wir sie beschwören
und doch keine Geduld für sie haben.

Ich habe sie doch gesehen, in der S-Bahn,
die Frage, die keine Antwort mehr ertrug, 
zwei Stationen starrte mich 
aus einem Augenpaar das Entsetzliche an,
das nach Trost verlangt und den Trost
schon längst verleugnet hat.

Antworten kann man auch ohne Frage: 
Kommt sie nach Hause, 
macht die Tür auf, hört ihn sagen:
"Ich küsse dich schön."

Küssen ist eine schöne Antwort.
Es antwortet 
auf die liebste Frage 
und entlässt sie, 
in was auch immer,
in irgendeine Art
von Nicht-Gebraucht-Werden,
in ihre Kindheit,
als auch sie eine Antwort war:
"Ich küsse dich, 
wenn du mich küsst,
aber ich zuerst,
bald ist Abend, 
bald ist Tag, 
morgen wieder." 

Keine Frage.

Orsolya Kalász
aus: Orsolya Kalász, Das Eine, Brüterich Press, 2016, Berlin


Die Vergleiche hissen die Segel

Das Gefühl, von dir berührt zu werden, 
vergleiche ich mit einem
vom verschwenderischen Blau
des Himmels gebannten Blick.
Es ist, als würde ich schwimmen
in einem durch die Haut schimmernden See,
inmitten der gespiegelten Wolken
deiner Hand.

Orsolya Kalász
aus: Orsolya Kalász, Das Eine,
Brüterich Press, 2016, Berlin