... salut de nouveau

Wieder auf Reisen.
Du fragst oft nach mir.
Ich telephonier
noch vorm Zubettgehen mit dir.


Freu mich auf den Moment,
wenn ich steh in der Tür,

und du läufst mir jauchzend entgegen.

...

Und dann öffne ich meine Arme für dich.
Ja, dann öffne ich meine Arme für dich!


Dann öffne ich meine Arme, Gerhard Schöne (1992)


Montag, 7. Mai 2012

Einverstanden

Guten-Morgen-Luft und glatte See
bevor die Sonne am Himmel ruht
Ich sehe den Wolken im Meer
mit geschlossenen Augen zu

Und heute ist so ein Tag,
an dem ich einverstanden bin
mit dem, was irgendwann sein kann
und mit allem, was war

Verloren geglaubter Moment,
wie bist Du bloß hinterher gekommen,
hast im Nachhinein eine klare Kontur
und dabei auch noch Zeit gewonnen

Und heute ist so ein Tag,
an dem ich einverstanden bin
mit dem, was irgendwann sein kann
und mit allem, was war

Wenn also Schicksal eine Frage des Glaubens ist
und Bewusstsein eine Frage der Zeit
dann könnte es Glück sein, wenn für einen Moment
keine Frage mehr bleibt

Ich male mit dem großen Zeh
eine Idee von uns in den Sand
Eine Welle hat sie mitgenommen,
damit sie keiner verderben kann

Und heute ist so ein Tag,
an dem ich einverstanden bin
mit allem, was irgendwann sein kann
und wo wir gestern schon waren

Felix Meyer

Für einen Berlin-Sonntag im März unter lauter Frankfurter Tagen.
Danke.

http://www.youtube.com/watch?v=p3YlU2Pm57U&feature=related

Sonntag, 6. Mai 2012

wenn ich dich sehen könnte


wenn ich dich sehen könnte
jenseits meines randes
wie du dich rasierst
die zähne putzt
deine nägel reinigst
würde ich meinen
du habest mein haus benutzt
dein innenleben ungeschützt
hier liegen lassen


Nora Iuga, Gefährliche Launen,
Klett Cotta, 2009, Stuttgart


http://www.youtube.com/watch?v=_gMq3hRLDD0&feature=relmfu

Samstag, 5. Mai 2012

Klar sind wir kein Beerdigungsinstitut...
















Klar sind wir kein Beerdigungsinstitut,
wir nehmen uns das Recht auf Fröhlichkeit...

Mario Benedetti




Klar, wir sind kein Beerdigungsinstitut,
trotz all der hinuntergeschluckten Tränen
sind wir fröhlich genug, Neues anzugehn;
unsere Tage und Nächte genießen wir,
auch die Müdigkeit, und fangen
das Lachen ein aus dem hohen Wind.

Wir nehmen uns das Recht, fröhlich zu sein,
die Liebe anzutreffen
in ferner Erde,
und schätzen uns glücklich,
weil wir Freunde fanden,
mit ihnen zu teilen
Brot, Schmerz und Bett.

Eigentlich sind wir geboren, glücklich zu sein,
doch umstellen uns Trauer und Verdruß,
Tod, und der Zwang, uns zu verbergen.
Auf der Flucht wie die Ausbrecher
sehn wir zu, wie sich Furchen in unsere Stirn eingraben,
und wir werden ernst,
aber immer wieder kommt uns das Lachen,
wie an unsere Fersen geheftet,
und wir können uns vor Lachen ausschütten
und in der schwärzesten un engsten Nacht glücklich sein,
denn wir bestehenaus großer Hoffnung,
aus großer Zuversicht, die uns voranbringt,
und wir haben den Sieg umd den Hals geschlungen
und schlagen seine Trommel, lauter mit jedem Schlag,
und wir wissen, nichts kann geschehn, was uns aufhält,
denn wir sind Samen und Wohnung eines heimlichen Lächelns,
das wird schon bald
aus allen Gesichtern
springen.

Ich lebe in Costa Rica,
zu Verbannung verurteilt
udn achtzehn Monaten Gefängnis,
weil ich mehr geliebt habe
als erlaubt ist.

Gioconda Belli


http://www.youtube.com/watch?v=Hfknv_dzbyQ


Freitag, 4. Mai 2012

Er kam mit dem Wind


Er kam mit dem Wind
Was kümmerts den Wind
        ob er darf, ob er soll oder muß
Er griff ihr im Vorübergehn
Ins Herz und blieb nicht einmal stehn
        beim ersten Kuß

Sie fragte ihn nicht
Im Dämmerlicht
        sie gab sich den Düften hin
Und ließ sich von seinen Händen kirrn
Und fühlte die Narbe auf seiner Stirn
        sein Stachelkinn

Es galt die Räson
        nicht mehr: was man darf, soll oder muß
Sie machten einen rüden Ritt
Und flohen in Richtung Süden mit
        dem Pegasus

Ein Flügelschlag
Tief unten lag
        die kleine Menschenwelt
Ein spätes Kranichpärchen hat
Sich in den Lüften fliegematt
        hinzugesellt

Sie ging mit dem Wind
Was kümmerts den Wind
        ob er darf, ob er soll oder muß
Sie griff ihm im Vorübergehn
Ins Herz und blieb nicht einmal stehn
        beim letzten Kuß

Wolf Biermann

Donnerstag, 3. Mai 2012

Und als wir ans Ufer kamen

Und als wir ans Ufer kamen
Und saßen noch lang im Kahn
Da war es, daß wir den Himmel
Am schönsten im Wasser sahn
Und durch den Birnbaum flogen
Paar Fischlein. Das Flugzeug schwamm
Quer durch den See und zerschellte
Sacht am Weidenstamm -
                                    am Weidenstamm

Was wird bloß aus unsern Träumen
In diesem zerrissnen Land
Die Wunden wollen nicht zugehn
Unter dem Dreckverband
Und was wird aus unsern Freunden
Und was noch aus dir, aus mir -
Ich möchte am liebsten weg sein
Und bliebe am liebsten hier -
                                    am liebsten hier

Wolf Biermann




http://www.youtube.com/watch?v=Le9w2qYeWl4

Mittwoch, 2. Mai 2012

Suche nach der verlorenen Zeit


Wo finde ich eine Zeitmaschine?

In welcher Garage
wird sie von irgendeinem zerstreuten Wissenschaftler versteckt?
Unter welchen Motten, Spinnennetzen, schimmligen Fetzen
dämmert die Zufahrtsstraße in die Vergangenheit vor sich hin?
Ich will sie finden und ein paar Jahrzehnte
rückwärts gehen.

Ich vermisse die Zeiten mit angelegter Lanze,
die Ritte hin zu gloriosen Horizonten,
tosend von imaginären Heldentaten,
bevölkert von gütigen, weisen Gesichtern.
Ich vermisse die Noblesse der verlorenen Illusionen,
ihre Standarten und bunten Federhelme.
Zerbrochen die Utopien, alles Unerschütterliche umgewälzt,
die Welt ist ein Tiegel,
in dem sich alles Blut kochend vermischt.
Im Nebel wechseln die Seiten
und der Krieg geht weiter wie ein finsteres Spiel,
in dem man tötet, ohne zu wissen warum,
und wo Gleichgültigkeit und Gier
die Zuflucht sind der Überlebenden.
Kein Zeichen erhebt sich aus dem Rauch.
Die alten Gewissheiten
bergen Verrate und Lanzen,
und man hüpft von Tag zu Tag,
erfindet sein tägliches Einerlei
und stirbt, ohne zu wissen warum
oder wofür.

Wo finde ich eine Zeitmaschine,
in der die Vergangenheit keine Erinnerung mehr ist?

Gioconda Belli

http://www.youtube.com/watch?v=p4MJ2ktu54k


Vielleicht genügten manchen statt einiger Jahrzehnte schon eine Handvoll Wochen. Vielleicht.

Dienstag, 1. Mai 2012

Bleib erschütterbar und widersteh


Also heut: zum Ersten, Zweiten, Letzten:
Allem Durchgedrehten, Umgehetzten,
was ich, kaum erhoben, wanken seh,
gestern an und morgen abgeschaltet:
Eh dein Kopf zum Totenkopf erkaltet:
Bleib erschütterbar - doch widersteh!

Die uns Erde, Wasser, Luft versauen
- Fortschritt marsch! mit Gas und Gottvertrauen -
Eh sie dich einvernehmen, eh
du im Strudel bist und schon im Solde,
wartend, daß die Kotze sich vergolde:
Bleib erschütterbar - und widersteh.

Schön, wie die Sterblichen sich berühren -
Knüppel zielen schon auf Hirn und Nieren,
daß der Liebe gleich der Mut vergeh...
Wer geduckt steht, will auch andre biegen.
(Sorgen brauchst du dir nicht selber zuzufügen;
alles, was gefürchtet wird, wird wahr!)
Bleib erschütterbar.
Bleib erschütterbar - doch widersteh!

Widersteht! im Siegen Ungeübte,
zwischen Scylla hier und dort Charybde
schwankt der Wechselkurs der Odyssee...
Finsternis kommt reichlich nachgeflossen;
aber du mit - such sie dir! - Genossen!
teilst das Dunkel, und es teilt sich die Gefahr,
leicht und jäh ---
Bleib erschütterbar!
Bleib erschütterbar - und widersteh.

Peter Rühmkorf (1929 - 2008)


http://www.youtube.com/watch?v=LN0uBPt0UOA