Ich war kein Stein keine Wolke keine Glocke und keine Laute geschlagen von einem Engel oder von einem Teufel Ich war von Anfang an nichts als ein Mensch und ich will auch nicht etwas anderes sein Als Mensch bin ich aufgewachsen und habe Unrecht erlitten und manchmal Unrecht getan und manchmal Gutes Als Mensch empöre ich mich gegen Unrecht und freue mich über jeden Schimmer von Hoffnung Als Mensch bin ich wach und müde und arbeite und habe Sorgen und Hunger nach Verstehen und nach Verstandenwerden Als Mensch habe ich Freude an meinen Freunden und habe Freude an Frau und Kindern und Enkeln und habe Angst um sie und Sehnsucht nach Sicherheit und will mit Menschen sein und manchmal allein sein und bedauere jede Nacht ohne Liebe Als Mensch bin ich krank und alte und werde sterben und werde kein Stein sein keine Wolke und keine Glocke sondern Erde und Asche und darauf kommt es nicht an Erich Fried aus: Erich Fried, Gedichte, dtv, 1995, München
Nicht sich verstecken vor den Dingen der Zeit in der Liebe Aber auch nicht vor der Liebe in die Dinge der Zeit Erich Fried aus: Erich Fried, Gedichte, dtv, 1995, München
Wenn Leute dir sagen: "Kümmere dich nicht soviel um dich selbst" dann sieh dir die Leute an die dir das sagen: An ihnen kannst du erkennen wie das ist wenn einer sich nicht genug um sich selbst gekümmert hat Erich Fried aus: Erich Fried, Gedichte, dtv, 1995, München
Das Leben wäre vielleicht einfacher wenn ich dich gar nicht getroffen hätte Weniger Trauer jedes Mal wenn wir uns trennen müssen weniger Angst vor der nächsten und übernächsten Trennung Und auch nicht soviel von dieser machtlosen Sehnsucht wenn du nicht da bist die nur das Unmögliche will und das sofort im nächsten Augenblick und die dann weil es nicht sein kann betroffen ist und schwer atmet Das Leben wäre vielleicht einfacher wenn ich dich nicht getroffen hätte Es wäre nur nicht mein Leben Erich Fried aus: Erich Fried, Gedichte, dtv, 1995, München