... salut de nouveau

Wieder auf Reisen.
Du fragst oft nach mir.
Ich telephonier
noch vorm Zubettgehen mit dir.


Freu mich auf den Moment,
wenn ich steh in der Tür,

und du läufst mir jauchzend entgegen.

...

Und dann öffne ich meine Arme für dich.
Ja, dann öffne ich meine Arme für dich!


Dann öffne ich meine Arme, Gerhard Schöne (1992)


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Dienstag, 20. November 2018

Donnerstag, 19. April 2018

Dota Kehr & Felix Meyer - Zum Trost


Weil Deine Augen so voll Trauer sind,
Und Deine Stirn so schwer ist von Gedanken,
Lass mich Dich trösten, so wie man ein Kind
In Schlaf einsingt, wenn letzte Sterne sanken.


Die Sonne ruf ich an, das Meer, den Wind,
Dir ihren hellsten Sonnentag zu schenken,
Den schönsten Traum auf Dich herabzusenken,
Weil Deine Nächte so voll Wolken sind.


Und wenn Dein Mund ein neues Lied beginnt,
Dann will ich Meer und Wind und Sonne danken,
Weil Deine Augen so voll Trauer sind,
Und Deine Stirn so schwer ist von Gedanken


Mascha Kaléko

Samstag, 11. November 2017

Kann sein

Kannst Du mir sagen, wo du deinen Kopf zum Schlafen hinlegst,
was Dich durchatmen lässt oder was Dich bewegt
Glaubst Du jetzt an das Noch oder doch an das Nie,
glaubst Du an ein Märchen, das Leben oder an die Poesie

Sag mir, wann hast Du zum letzten Mal einen Menschen gesehen
und geweint, weil die Zeit niemals reicht zu verstehen
Glaubst Du eher an das Was oder glaubst Du an das Wie,
glaubst Du an Dich selber und an die Melancholie

Kann sein, dass es das ist,
was mich nach all den Jahren berührt
Kann schon sein, dass es gut ist,
sich niemals zu fragen, was war nur passiert

Kannst Du mir sagen, ob Du vom Leben hungrig bist oder satt,
oder wo es Dein Herz hin verschlagen hat
Glaubst Du auch an das Du oder glaubst Du an das Sie,
an ein Buch, die Liebe, ein Gegenüber oder eine Melodie

Schon ein paar Tage nach den paar Tagen vorher
war es so, wie ein Traum aus einem anderen Leben wohl wär
Und ich denk an unsere Lieder, einen Fluss und ein Kind,
das es nie gab wie einen viel zu leisen Schrei oder den Wind

Kann sein, dass es das ist,
was mich nach all den Jahren berührt
Kann schon sein, dass es gut ist,
sich niemals zu fragen, was war nur passiert

Felix Meyer

Für JP, wie so oft zuvor.

Montag, 30. Oktober 2017

Blaupausen

wie alles hier nach den Matrizen riecht ein
Vogelflug reißt seine Spur in unsern Blick
ein Sperling sagst du zeichnest mit dem Finger 
die Linien jenes Schattenrisses nach den wir uns 
früher aus dem Kinderbuch abpausten und
während deine Hand noch vor dem Fenster
ein Ende der Bewegung sucht den stummen
Vogeltod beug ich mich tief in dein Knie hat einen
kirschhaften Geruch ein Sommertag fällt schräg
aus dem Erinnern und deine Hand in meinem Haar
drückt meinen Kopf zu tief in einen Tümpel wie lang 
hältst du mich aus hast du gefragt wie lange braucht's
bis jemand nichts mehr sagt dein Blick hält meinen 
Schattenriss wie alle nur Kopien, körperwarm

Nora Bossong
aus: Text + Kritik, Hrsg. Heinz Ludwig Arnold, Nr. 171, Junge Lyrik



Samstag, 28. Oktober 2017

Eine Melodie und drei Songs


Je n' ai pas peur de la route 
Faudra voir, faut qu'on y goûte 
Des méandres au creux des reins 
Et tout ira bien (là) 
Le vent nous portera 
Ton message à la Grande Ourse 
Et la trajectoire de la course 
Un instantané de velours 
Même s'il ne sert à rien (va) 
Le vent l'emportera 
Tout disparaîtra mais 
Le vent nous portera 

La caresse et la mitraille 
et Cette plaie qui nous tiraille 
Le palais des autres jours 
D'hier et demain 
Le vent les portera 
Génétique en bandoulière 
Des chromosomes dans l'atmosphère 

Des taxis pour les galaxies 
Et mon tapis volant dis ? 
Le vent l'emportera 
Tout disparaîtra mais 
Le vent nous portera 
Ce parfum de nos années mortes 
Ce qui peut frapper à ta porte 
Infinité de destins 
On en pose un et qu'est-ce qu'on en retient ? 
Le vent l'emportera 
Pendant que la marée monte 
et Que chacun refait ses comptes 
J'emmène au creux de mon ombre 
Des poussières de toi 
Le vent les portera 
Tout disparaîtra mais 
Le vent nous portera

Noir Désir


Ich habe keine Angst, was soll passieren?
Man wird es sehen und ausprobieren,
die Windungen in den Lenden
und es wird schon wieder gut gehen.

Der Wind trägt sie davon.

Was wolltest Du vom großen Wagen,
wohin soll Dein Auftrag Dich verschlagen?
Der Augenblick in Samt gehüllt,
auch wenn das keinen Sinn hat,

der Wind trägt ihn davon.
Nichts von alledem wird bleiben,
der Wind trägt uns davon.

Liebkosungen und Kugelhagel,
alle Wunden, die uns plagen,
Geschmack aus einer anderen Zeit,
von gestern oder morgen.

Der Wind trägt ihn davon.
Am Waffengurt die Entwicklungslehre,
Chromosomen in der Atmosphäre.
Mit dem Taxi in die Galaxie.
Und auch mein fliegender Teppich,

ihn trägt der Wind davon.
Nichts von alledem wird bleiben,
der Wind trägt uns davon.

Wohlgeruch vergangener Zeiten.
Wer könnte an Deiner Türe läuten?
Eine Unzahl von Bestimmungen -
such Dir eine aus. Was wird Dir davon bleiben?

Der Wind trägt sie davon.

Fluten überschwemmen Land und Felder,
jeder macht die Abrechnung mit sich selber
und ich nehme mit in meine Schattenwelt,
was mir von Deinem Staub bleibt.

Der Wind trägt ihn davon.
Nichts von alledem wird bleiben,
der Wind trägt uns davon.
Felix Meyer

Ich brenne, wie die Liebe brennt.
Ich bin der Fluch, den jeder kennt.
Ich bin so heiß vor Liebesglut
Und rase doch vor Wut.

Als Adam spät nach Hause kam
Da trieb ich Eva listig an,
Seine Rippen nachzuzählen
Es könnt ja eine fehlen

Ich finde keine Ruh

Ich bin das Gift, das langsam wirkt
Bin der Riss, den man verbirgt
Vorwurf frisst in mir und Neid.
Wo ich bin, ist Leid

Ich finde keine Ruh
Argwohn treibt mich um und
Niemals sag ich du

Ich schleiche mich in Liebesnächte
In mir toben böse Mächte
Ich kann mit scharfen Augen sehn
Und doch nichts verstehen.

Ich finde keine Ruh

Ich bin der Liebe arme Schwester
Zerstöre gerne ihre Nester.
Ich will haben und nicht geben.
Herrschen statt zu leben.

Ich finde keine Ruh
Argwohn treibt mich um und
Niemals sag ich du

Ich bin so hart, kann nicht verzeihen
Ahne schon, ich bleib allein
Meine Seele ist versperrt
Und mein Blick verzerrt

Ich finde keine Ruh

Ich geh in meiner Schwester Spur
Doch wenn sie singt, dann schrei ich nur
Und wenn meine Schwester tanzt
Vergehe ich vor Angst

Ich finde keine Ruh
Argwohn treibt mich um und
Niemals sag ich du
Barbara Thalheim

Samstag, 13. Mai 2017

Artischockenherzensuppe

Fünf, sechs Kartoffeln in den Topf und ein Stück Butter in die Pfanne
Ein, zwei Schalotten, Kräuter, Knoblauch, Suppengrün und dann und wann
Ein Kuss von links oder von rechts oder auch einfach im Vorbeigehen
Eine Idee davon

Mit deinem Mund zu meinem, mit dem Rest Brot direkt in die Pfanne
Dazu ein roter Wein für uns beide aus der großen Kanne
Man sollte öfter einmal was zum allerersten Mal probieren
Und nächtelang im Freiflug fantasieren

Komm, ich koch uns eine Artischockenherzensuppe
Und die essen wir dann auf, mit Salz und Essig, ist doch Schnuppe
Welche Ängste oder Sorgen, gestern, heute oder morgen
Darin vielleicht mit untergehen

Zeit vergeht, ein Herz bleibt stehen, das sagte ich bereits
Und es hilft wohl auch nichts, man kann doch nur von Zeit zu Zeit
Ausprobieren, bereit zu sein oder auch einfach weitergehen
Ohne sich dauernd umzusehen

Manchmal bin ich ein Lump und auch ganz furchtbar unmodern
In meinen Bildern, Worten, Schriften, Stempelkissen, Augenstern
Hast du „Du bist ein Schatz!“ gesagt?
Und dann „Was ist mit Schnaps?“ gefragt?

Komm, ich koch uns eine Artischockenherzensuppe
Und die essen wir dann auf, mit Luft und Liebe, ist doch Schnuppe
Welche Ängste oder Sorgen, gestern, heute oder morgen
Darin vielleicht mit untergehen 

Felix Meyer 

 

Sonntag, 16. April 2017

Lebenslauf


Ich war kein Stein keine Wolke
keine Glocke und keine Laute
geschlagen von einem Engel oder von einem Teufel
Ich war von Anfang an nichts als ein Mensch
und ich will auch nicht etwas anderes sein

Als Mensch bin ich aufgewachsen
und habe Unrecht erlitten
und manchmal Unrecht getan
und manchmal Gutes

Als Mensch empöre ich mich
gegen Unrecht und freue mich 
über jeden Schimmer von Hoffnung
Als Mensch bin ich wach und müde
und arbeite und habe Sorgen
und Hunger nach Verstehen
und nach Verstandenwerden

Als Mensch habe ich Freude an meinen Freunden
und habe Freude an Frau und Kindern und Enkeln
und habe Angst um sie und Sehnsucht nach Sicherheit
und will mit Menschen sein und manchmal allein sein
und bedauere jede Nacht ohne Liebe 

Als Mensch bin ich krank und alte
und werde sterben
und werde kein Stein sein
keine Wolke und keine Glocke
sondern Erde und Asche
und darauf kommt es nicht an

Erich Fried
aus: Erich Fried, Gedichte, dtv, 1995, München


Samstag, 15. April 2017

Kein Unterschlupf



Nicht sich verstecken
vor den Dingen
der Zeit 
in der Liebe

Aber auch nicht
vor der Liebe
in die Dinge 
der Zeit

Erich Fried
aus: Erich Fried, Gedichte, dtv, 1995, München















Freitag, 14. April 2017

Die Warner


Wenn Leute dir sagen:
"Kümmere dich nicht
soviel 
um dich selbst"
dann sieh dir
die Leute an
die dir das sagen:
An ihnen kannst du erkennen
wie das ist
wenn einer 
sich nicht genug 
um sich selbst 
gekümmert hat

Erich Fried
aus: Erich Fried, Gedichte, dtv, 1995, München


Mittwoch, 17. Februar 2016

EINE STADT


Ich stieg ein paar Gassen hinauf bog ein- zweimal um die Ecke
lief immer der Nase nach lief und lief
                                          eine Tür tat sich auf ich trat ein
                                                  verlor mich im eigenen Innern

die Stadt kenne ich nicht
solche Häuser sah ich noch nie
einige Ameisenbauten andere leer
einige Fensterfronten andere blinde Gemäuer
ich folgte einer Straße eng krumm schmutzig verwinkelt
im Bogen führte sie mich zurück an die alte Stelle
es verschlug mich in die Mitte eines asphaltierten Boulevards
eine lange breite Allee bis zum Sonnenaufgang 
wenn es in einem Stadtviertel regnet
                                     scheint im nächsten die Sonne
                                                               im dritten der Mond

ich ging über eine Brücke 
die eine Hälfte von Lampen erleuchtet
                                       die andere finster
ich sah zwei Bäume Stamm an Stamm
an einem zittert kein Blatt
der andere krümmt sich wimmert und ächzt
in einer Stadt ähnelt nichts einander
                             ausgenommen die Menschen
die waren Zwillinge Drillinge Fünflinge Neunlinge Millionlinge
alle ängstlich
    alle Helden
        alle dumm
            alle klug
                alle Schweine 
                    alle Engel.

Nâzim Hikmet, Leipzig, 7. September 1961


Montag, 2. November 2015

Nur die Liebe


 
Arbeit wartet auf mich
die ich immer verschiebe
Nur der Flug
berechtigt mein Herz
zu schlagen
Nur der Gedanke der Ewigkeit
unterstützt meinen Atem
Nur die Liebe
erlaubt mir
ein Mensch zu sein

Rose Ausländer
aus: Liebesgedichte, Rimbaud Verlag, 2010, Aachen
 

Mittwoch, 7. November 2012

Fragen


Jede Antwort schließt die Tür zu der Welt, die die Frage aufgestoßen hat.

[Danke an den unbekannten Buchkäufer & Zirkuspädagogen, 
der mir heute diesen Gedanken vermachte.]