... salut de nouveau

Wieder auf Reisen.
Du fragst oft nach mir.
Ich telephonier
noch vorm Zubettgehen mit dir.


Freu mich auf den Moment,
wenn ich steh in der Tür,

und du läufst mir jauchzend entgegen.

...

Und dann öffne ich meine Arme für dich.
Ja, dann öffne ich meine Arme für dich!


Dann öffne ich meine Arme, Gerhard Schöne (1992)


Montag, 28. Februar 2011

Der Himbeerwald



















Bienen
singen den Sommer

Der Himbeerwald
glüht
aus Liebe zur Sonne

Finger stehlen die Glut
Münder verzehren sie

der leere Himbeerwald
riecht nach vergangenem Glück

Rose Ausländer







Mittwoch, 23. Februar 2011

Lapislazuli

may my heart always be open to little
birds who are the secrets of living
whatever they sing is better to know
and if men should not hear them men are old

immerdar möge mein herz kleinen vögeln
offenstehn denn sie sind das geheimnis des lebens
was sie auch singen ist besser als wissen
wenn menschen sie nicht mehr hören dann sind sie alt

E. E. Cummings (1894 - 1962)

 
























Freitag, 28. Januar 2011

Zitronen und Lavendel

Wessen Fragen unbeantwortet zurücklassen
Wohin fliehen
Wen nicht verraten, preisgeben
Wessen Träume verwirklichen
Deine meine keine
Oder doch nur weiterfliegen und schweigen
Rücken an Rücken
Den Herzschlag des anderen schmecken

und fliehen


LuJa

 

















Samstag, 22. Januar 2011

Comment faire une diazotypie...

Das Schweigen ausbreiten
einer Decke gleich
Die Wärme befühlen
der Kälte ausweichen
dem Klang der Regentropfen
nur noch Gehör schenken
Einhüllen
Nussecken essen
Ankommen
Geliebt werden
Aufstehen
und gehen
Fort
Weit
Weit fort

Den Wind spüren


Nass und kalt auf der Haut
Zitternde Fingerspitzen
über den schwarzen Tasten
und der Angst
Und den meergrünen Sternen.
Kommen und gehen und bleiben

LuJa




















Mittwoch, 12. Januar 2011

Sonnenaufgang

Morgens im Halbdunkel aus der Tram fallen, verschlafener Blick, müder Gang. Den Mantelkragen hochschlagen, den Gedanken an das Aufsetzen eines verwegenen Blickes sofort wieder verwerfen, auf jeden Schritt Acht geben, es ist glatt in dieser kalten klamm gefrorenen Stadt. Und es ist noch immer Winter. Die Schritte, nach und nach sicherer, wacher geworden, führen durch einen kleinen Park. Plötzlich das lächelnde Zwitschern einer Amsel hören, dadurch den Kopf gen Himmel wenden und dann - die Sonne geht auf. Famos. Eigentlich wie jeden Morgen. Und dennoch ein klitzekleines Wunder. Ein zartes Lächeln macht sich breit. Was wird aus diesem Tag? Das ist völlig egal. Die Amsel und die Sonne. Die Sonne und die Amsel. Am Leben sein. Laufen und genießen.

Nachtzauber

Der Mond errötet
Kühle durchweht die Nacht

Am Himmel
Zauberstrahlen aus Kristall

Ein Poem
besucht den Dichter

Ein stiller Gott
schenkt Schlaf
eine verirrte Lerche
singt im Traum
auch Fische singen mit
denn es ist Brauch
in solcher Nacht
Unmögliches zu tun

Rose Ausländer (1901 - 1988)


Keine Gedichte
im Augenblick
ich will leben

Morgen
vielleicht
glückt das Wort
weißes Blatt
Wald voller Vögel

Ich
spitze die Ohren
sehe mit den
Eulenaugen der Nacht

keine Gedichte
Morgen
vielleicht

Rose Ausländer


http://www.myspace.com/davethies/music/songs/fly-away-21888317

Montag, 27. Dezember 2010

Wunder, zum Anfassen...

Schließ die Augen. Was ist das?
Es schmeckt.
Wonach?
Zitroneneis. Wie Sommer. Wie ein wahr gewordenes Wunder.
Zum Glücklichwerden?
Vielleicht.

Manchmal. Ab und an geschieht ein Wunder. Und die Augen sind nicht geschlossen. Und der Schlaf weit fort. Wach, hellwach sein. Und leben... Ich bin glücklich über jedes Wunder, das mich hinterrücks überfällt. Über jede lang erhoffte Antwort, über jeden Sonnenstrahl, der sich warm auf mein Gesicht legt, über jede neue Nuance Blau, über jeden Pinselzug Chagalls, Monets, Dalís, über jeden neu entdeckten guten Song. (Daraus ein Puzzle legen und es "Leben" nennen.)

Was geschah? Der Stein trat aus dem Berge.
Wer erwachte? Du und ich.
Sprache, Sprache. Mit-Stern. Neben-Erde.
Ärmer. Offen. Heimatlich.

Wohin gings? Gen Unverklungen.
Mit dem Stein gings, mit uns zwein.
Herz und Herz. Zu schwer befunden.
Schwerer werden. Leichter sein.

Paul Celan (1920 - 1970)


http://www.youtube.com/watch?v=nk5uf9hva6M




Dienstag, 21. Dezember 2010

Sommer im Kopf....

Laufen, hüpfen, vor Freude tanzen, hemmungslos glücklich sein und sich im Regen wild drehen, die Arme weit vom Körper gestreckt, den Geschmack des Regens auf der Haut spüren... es wird wieder Sommer. Hoffentlich bald. Der Schnee macht mürbe, wenn auch bedächtiger. Es wäre Zeit. Nur wofür? Augen zu, loslaufen, abheben. Über mir: Ein blauer Paraglider. Augen zu, genießen. Ich mag Sommer im Kopf. Wie verrückt.

Und

Und Wiesen gibt es noch
und Bäume und
Sonnenuntergänge
und
Meer
und Sterne
und das Wort
das Lied
und Menschen
und

Rose Ausländer (1901 - 1988)