Nichts geschieht zweimal, nein nichts
wird zweimal geschehn. Deswegen, dermaßen
kamen wir unfertig ins Sein,
und ohne Routine werden wir es verlassen.
In der Schule der Welt selbst unbelehrsamste Kinder
wiederholen wir schwerlich
nicht Sommer und keinen einzigen Winter.
Kein Tag wird dem andern je gleichen,
keine Nacht zu der anderen taugen,
ein Kuß wird dem anderen weichen,
fremd sein derselbe Blick in des gleichen Mannes Augen.
Als deinen Namen gestern ein anderer
laut vor mir nannte, da war mir,
als wäre eine Rose durchs geöffnete Fenster gefallen.
Heute bist du in meinem Haus,
und ich bin allein.
Eine Rose? Wie sieht eine Rose aus?
Wie eine Blume? Oder vielleicht wie ein Stein?
Warum, böse Stunde, trübst du vage
den Augenblick mit überflüssigem Zagen?
Du bist, existierst, also mußt du vergehen.
Du wirst vergehen, und das ist schön.
Wisława Szymborska
aus: Wisława Szymborska, Vokabeln. Gedichte, Volk und Welt Verlag, 1979, Berlin