... salut de nouveau

Wieder auf Reisen.
Du fragst oft nach mir.
Ich telephonier
noch vorm Zubettgehen mit dir.


Freu mich auf den Moment,
wenn ich steh in der Tür,

und du läufst mir jauchzend entgegen.

...

Und dann öffne ich meine Arme für dich.
Ja, dann öffne ich meine Arme für dich!


Dann öffne ich meine Arme, Gerhard Schöne (1992)


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Samstag, 1. September 2018

nur, was ihr gefällt.

Die Julia zieht auch nur an, was ihr gefällt.
«Da ist nichts zu machen mit ihr», hat die Tante Line gesagt.
«Wenn das Kind ein Kleid nicht mag, zieht sie es nicht an.
Die hat einen starken Willen.»
Ich werde mir auch einen starken Willen zulegen. 
Wie macht man das bloß?

Christine Nöstlinger,
Susis geheime Tagebuch,
1986

Mittwoch, 30. August 2017

Die Farbe der Gedanken

Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an.
Marc Aurel


Mittwoch, 10. Mai 2017

Um vier Uhr morgens


Nachttagstunde.
Schlaflose Stunde der Nacht.
Stunde der Dreißigjährigen.

Stunde, eingespannt in der Hähne Krähen.
Stunde, in der die Erde gegen uns kreist.
Stunde, angehaucht von erloschener Sterne Wehen.
Stunde ob-da-wirklich-nichts-von-uns-bleibt.

Leere Stunde.
Taube, nüchterne.
Grund aller übrigen Stunden.


Niemand fühlt sich wohl um vier in der Früh.
Wenn es den Ameisen gut geht um vier in der Früh,
laßt uns den Ameisen gratulieren. Und mag es fünf werden,
sofern uns gegeben ist, weiter zu leben. 

Wisława Szymborska
aus: Wisława Szymborska, Vokabeln. Gedichte, Volk und Welt Verlag, 1979, Berlin



Mittwoch, 5. April 2017

Fragen

für Ivan Divis

Wie groß ist dein Leben?
Wie tief?
Was kostet es dich?
Bis wann zahlst du?
Wieviel Türen hat es?
Wie oft 
hast du schon ein neues begonnen?

Warst du schon einmal 
gezwungen um es zu laufen?
Wenn ja

bist du runherum gelaufen
im Kreis oder hast du 
Einbuchtungen mitgelaufen?
Was dachtest du dir dabei?

Woran erkanntest du
daß du ganz herum warst?
Bist du mehrmals gelaufen?
War das dritte Mal
wie das zweite?

Würdest du lieber 
die Strecke im Wagen fahren? 
oder gefahren werden?
in welcher Richtung?
von wem?

Erich Fried
aus: Erich Fried, "Gedichte", dtv, 1995, München