Juhuu, ein neuer Bosetti-Text!
... salut de nouveau
Wieder auf Reisen.
Du fragst oft nach mir.
Ich telephonier
noch vorm Zubettgehen mit dir.
Freu mich auf den Moment,
wenn ich steh in der Tür,
und du läufst mir jauchzend entgegen.
...
Und dann öffne ich meine Arme für dich.
Ja, dann öffne ich meine Arme für dich!
Dann öffne ich meine Arme, Gerhard Schöne (1992)
Du fragst oft nach mir.
Ich telephonier
noch vorm Zubettgehen mit dir.
Freu mich auf den Moment,
wenn ich steh in der Tür,
und du läufst mir jauchzend entgegen.
...
Und dann öffne ich meine Arme für dich.
Ja, dann öffne ich meine Arme für dich!
Dann öffne ich meine Arme, Gerhard Schöne (1992)
Donnerstag, 6. April 2017
Mittwoch, 5. April 2017
Oktober / Früher
Für den, den ich vor 2714 Tagen zuletzt sah.
In meinen Gedanken ist es immer Sommer,
nie Oktober.
L.
Fragen
für Ivan Divis
Wie groß ist dein Leben?
Wie tief?
Was kostet es dich?
Bis wann zahlst du?
Wieviel Türen hat es?
Wie oft
hast du schon ein neues begonnen?
Warst du schon einmal
gezwungen um es zu laufen?
Wenn ja
bist du runherum gelaufen
im Kreis oder hast du
Einbuchtungen mitgelaufen?
Was dachtest du dir dabei?
Woran erkanntest du
daß du ganz herum warst?
Bist du mehrmals gelaufen?
War das dritte Mal
wie das zweite?
Würdest du lieber
die Strecke im Wagen fahren?
oder gefahren werden?
in welcher Richtung?
von wem?
Erich Fried
aus: Erich Fried, "Gedichte", dtv, 1995, München
Wie groß ist dein Leben?
Wie tief?
Was kostet es dich?
Bis wann zahlst du?
Wieviel Türen hat es?
Wie oft
hast du schon ein neues begonnen?
Warst du schon einmal
gezwungen um es zu laufen?
Wenn ja
bist du runherum gelaufen
im Kreis oder hast du
Einbuchtungen mitgelaufen?
Was dachtest du dir dabei?
Woran erkanntest du
daß du ganz herum warst?
Bist du mehrmals gelaufen?
War das dritte Mal
wie das zweite?
Würdest du lieber
die Strecke im Wagen fahren?
oder gefahren werden?
in welcher Richtung?
von wem?
Erich Fried
aus: Erich Fried, "Gedichte", dtv, 1995, München
Dienstag, 4. April 2017
VIELLEICHT WIRD'S NIE WIEDER SO SCHÖN
Ich denk noch manchmal an den Sonntag,
ich war vielleicht acht Jahre alt.
Ich
ging mit Vater ins Museum,
da
drinnen war es hundekalt.
Er
nahm mich unter seinen Mantel
und
sagte: "Komm, wir spieln Kamel!"
Wir
stapften kichernd durchs Museum,
die
Aufsichtstanten guckten scheel.
An
der verschneiten Haltestelle
durft
ich auf seinen Füßen stehn.
Ich
hielt mich fest an ihm und dachte:
"Vielleicht
wird's nie wieder so schön.
Bevor
wir auseinander gingen,
fuhr
unsere Klasse noch einmal
in
ein Barackenferienlager
mit
einem kleinen See im Tal.
Am
letzten Abend ein Getuschel:
"Wir
treffen uns am See heut Nacht."
Wir
schlichen uns aus den Baracken,
die
Lehrer sind nicht aufgewacht.
Wir
schwammen nackt ans andre Ufer
und
haben uns schüchtern angesehn
im
weißen Mondlicht. Und ich dachte:
"Vielleicht
wird's nie wieder so schön,
hee,
mmh, vielleicht wird's nie wieder so schön."
Am
Bahnsteig lernte ich sie kennen,
sie
hatten ihren Zug verpasst,
die
sieben polnischen Studenten,
jetzt
waren sie bei mir zu Gast.
Die
Mädchen schmierten ein paar Brote,
die
Jungen haben Wein besorgt,
und
ich hab mir bei meinen Nachbarn
'nen
Stapel Decken ausgeborgt.
Wir
sangen "Dona nobis pacem",
"Give
peace a chance" und "Penny Lane".
Als
wir uns früh umarmten, dacht ich:
"Vielleicht
wird's nie wieder so schön,
mmh,
hee, vielleicht wird's nie wieder so schön."
Damals
im Zelt mit meiner Freundin,
die
erste Nacht mit ihr allein.
Wir
wagten nicht, uns auszuziehen
und
krochen in den Schlafsack rein.
Wir
schmiegten uns ganz aneinander,
ich
hab nur ihr Gesicht berührt.
Als
sie schon schlief, hab ich noch immer
ihr
Atmen wie ein Glück gespürt.
Obwohl
mir schon die Arme schmerzten,
ich
dacht nicht dran, mich umzudrehn.
Es
wurde Morgen, und ich dachte:
"Vielleicht
wird's nie wieder so schön,
mmh,
vielleicht wird's nie wieder so schön."
Noch
manchmal, wenn wir uns umarmten,
oft
grundlos traurig, grundlos froh.
Einmal,
als ich ein Mädchen hörte
in
einer Kirche, irgendwo.
Als
wir klitschnass am Waldrand hockten,
und
ein Regenbogen stand.
Und
wenn ich plötzlich Menschen mochte,
die
ich zuvor noch nicht gekannt.
Wenn
ich's vor Heimweh nicht mehr aushielt,
fuhr
nachts zurück, um dich zu sehn.
In
vielen Augenblicken dacht ich:
"Vielleicht
wird's nie wieder so schön,
mmh,
hee, vielleicht wird's nie wieder so schön."
Gerhard
Schöne
Montag, 3. April 2017
Lob der Träume
Im Traum
male ich wie Vermeer van Delft.
Ich spreche fließend Griechisch,
nicht nur mit Zeitgenossen.
Ich fahre Auto,
das mir gehorcht.
Ich bin begabt,
schreibe große Poeme.
Ich höre Stimmen,
wie die heiligen Väter, nicht minder.
Ihr würdet staunen
über die Herrlichkeit meines Klavierspiels.
Ich fliege, wie man es muß,
als aus mir heraus.
Fallend vom Dach,
falle ich weich ins Grüne.
Es macht mir nichts aus,
unter dem Wasser zu atmen.
Ich beklage mich nicht:
ich habe Atlantis entdeckt.
Es freut mich, daß ich im Sterben
immer wieder erwache.
Gleich nach Ausbruch des Krieges
dreh ich mich um, auf die bessere Seite.
Ich bin, doch muß ich es nicht,
ein Kind der Epoche.
Vor einigen Jahren
sah ich zwei Sonnen,
Und vorgestern einen Pinguin.
Vollkommen deutlich.
Wisława Szymborska
aus: Wisława Szymborska, Salz. Gedichte, Suhrkamp Verlag, 1973, Frankfurt
Sonntag, 2. April 2017
Feminismus nervt
Ach, die gute Sarah - genial wie eh und je!
"Feminismus ist wie das Kondom, das man erst noch kaufen gehen muss, obwohl man schon nackt zusammen im Bett liegt. Ohne wär's einfacher, aber langfristig eben nur für den Mann. Er ist ein notwendiges Übel. Also nicht der Mann - sondern der Feminismus."
Sarah Bosetti
Samstag, 1. April 2017
Einer singt
Einer singt
aus Angst
gegen Angst
Einer singt
aus Not
gegen Not
Einer singt
aus der Zeit
gegen die Zeit
Einer singt
aus dem Staub
gegen den Staub
Einer singt
von den Namen
die Namen namenlos machen
Erich Fried
aus: Erich Fried, "Gedichte", dtv, 1995, München
aus Angst
gegen Angst
Einer singt
aus Not
gegen Not
Einer singt
aus der Zeit
gegen die Zeit
Einer singt
aus dem Staub
gegen den Staub
Einer singt
von den Namen
die Namen namenlos machen
Erich Fried
aus: Erich Fried, "Gedichte", dtv, 1995, München
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