... salut de nouveau

Wieder auf Reisen.
Du fragst oft nach mir.
Ich telephonier
noch vorm Zubettgehen mit dir.


Freu mich auf den Moment,
wenn ich steh in der Tür,

und du läufst mir jauchzend entgegen.

...

Und dann öffne ich meine Arme für dich.
Ja, dann öffne ich meine Arme für dich!


Dann öffne ich meine Arme, Gerhard Schöne (1992)


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Samstag, 26. Januar 2013

Das Unglück



Wenn es dann schließlich eintritt, ist ja alles
schon tausendmal durchdacht und längst besprochen,
hast du dich schon so oft mit deiner Angst verkrochen
und alles durchgerechnet für den Fall des Falles,

daß nun, wo's wirklich ernst wird, nicht einmal ein Pochen
im Hals dir zeigt, wie es mit Urgewalt 
dich überkommt. Mit einem Herz aus Glas, ganz kalt,
tust du und läßt, was du dereinst versprochen,

und lebst ansonsten einfach weiter. Erst nach Wochen
fällt dir ein Wimmern auf, wie es ununterbrochen
ans Ohr dir dringt. Doch nebenan der Raum ist leer,

und wie du schließlich merkst, du selber bist es, der 
ganz leis' zu hören ist, da wird dir jählings schwer 
ums Herz, und erst in diesem Augenblick ist es gebrochen. 

Matthias Politycki






Freitag, 18. Januar 2013

Junimond


Die Welt schaut rauf zu meinem Fenster
Mit müden Augen ganz staubig und scheu
Ich bin hier oben auf meiner Wolke
Ich seh Dich kommen aber Du gehst vorbei
Doch jetzt tuts nicht mehr weh
Nee jetzt tut's nicht mehr weh
Und alles bleibt stumm
Und kein Sturm kommt auf
Wenn ich Dich seh

Es ist vorbei bye, bye Junimond
Es ist vorbei es ist vorbei bye, bye

Zweitausend Stunden hab ich gewartet
Ich hab sie alle gezählt und verflucht
Ich hab getrunken geraucht und gebetet
Hab Dich flußauf- und flußabwärts gesucht
Doch jetzt tuts nicht mehr weh
Nee jetzt tut's nicht mehr weh
Und alles bleibt stehn
Und kein Sturm kommt auf wenn ich Dich seh

Es ist vorbei bye, bye Junimond
Es ist vorbei es ist vorbei bye, bye...

Rio Reiser



Sonntag, 13. Januar 2013

Bevor ich sterbe


Noch einmal sprechen
von der Wärme des Lebens
damit noch einige wissen:
Es ist nicht warm
aber es könnte sein

Bevor ich sterbe
noch einmal sprechen
von Liebe
damit noch einige sagen:
Das gab es
das muss es geben

Noch einmal sprechen
vom Glück der Hoffnung auf Glück
damit noch einige fragen:
Was war das
wann kommt es wieder?

Erich Fried




Samstag, 5. Januar 2013

Die Nacht


Die Nacht, an die sich Kai nicht mehr erinnern kann, ist in Lucias Gedächtnis eingeritzt. In dem Wort steckt etwas von Stein auf Stein, und so ist es auch. Das Gedächtnis ist nicht immer eine weiche Masse, die zerfließen will. Das Auto des Clowns glich einem Planwagen, es fehlte nur das Pferd, aber es war nicht sicher, ob sein Motor nicht doch ein Tier war. Sie musste ihm gut zureden und ihn beschwören, ehe sich der Wagen in Bewegung setzte. Später fragte sich Lucia, woher die alte Frau wusste, wohin sie fuhr, und es ist nur gut, dass sie die Frage nicht auch gestellt hatte, denn der Clown hatte keine Ahnung. Nach Osten, mehr wusste sie nicht.

Cees Nooteboom, In den niederländischen Bergen, Suhrkamp Verlag, 1993, Frankfurt am Main




Dienstag, 11. Dezember 2012

[3]



Les oiseaux libres ne souffrent pas qu'on les regarde.
Demeurons obscurs, renonçons à nous, près d'eux.

Die freien Vögel dulden nicht, daß man sie ansieht.
Bleiben wir im Verborgenen, verleugnen wir uns, ihnen nah.

René Char, Poésies - Dichtungen, S. Fischer Verlage, 1959, Frankfurt am Main

Désolé - petite fenêtre esquissée dans l'air -  
je ne peux guère cacher ce que je sens pour toi. 
L. 






Freitag, 7. Dezember 2012

L'ordre légitime est quelquefois inhumain / Die legitime Ordnung ist manchmal unmenschlich

















Ceux qui partagent leurs souvenirs,
La solitude les reprend, aussitôt fait silence.
L'herbe qui les frôle éclôt de leur fidélité.
Que disais-tu? Tu me parlais d'un amour si lointain
Qu'il rejoignait ton enfance.
Tant de stratagèmes s'emploient dans la mémoire!

Die ihre Erinnerungen teilen,
Umfängt wieder Einsamkeit, sobald sie schweigen.
Das Gras, das sie streift, entsprießt ihrer Treue.
Was sagtest du? Du sprachst mir von einer Liebe in solcher Ferne,
Daß sie mit deiner Kindheit wieder verschmolz.
So viele Winkelzüge benutzt man in der Erinnerung!

René Char, Poésies - Dichtungen, S. Fischer Verlage, 1959, Frankfurt am Main